Sonntag, 12. November 2017

Lesung im "Stellwerk"

Begleitgarn für Rosamundes
neuen Bestseller. 
Was die Seile schafften

Also las am heutigen Sonntag Rosamunde Schostok im "Stellwerk" Auszüge aus ihrem neuem Bestseller "Was Seile schafften". Es war ein eiliger Termin der berühmtesten Schriftstellerin Hannovers, die sich als Oberbürgermeisterin der niedersächsischen Landeshauptstadt ein Zubrot verdient. Und ein fehlerhafter dazu, denn Rosamunde hatte sich am Tage zuvor in der "Neuen Presse" verlesen, als sie bei der Schlagzeile "Ab jetzt wird im ´Stellwerk´gedrückt" die beiden Pünktchen über dem Ü nicht bemerkte. Da aber in dem Artikel angemerkt wurde, dass Hannover sich mit 550 000 Euro an dieser - wie sie irrtümlicherweise meinte - Druckerei beteiligt hatte, lag eine eilige Lesung nahe. Unters Publikum mischte sich auch der Geschäftsführer der Step gGmbH, der sich schon ganz andere Geldquellen erschlossen hatte.

Den geneigten Zuhörerinnen und Zuhörern stellte sich das von Rosamunde Schostok Vorgetragene so dar: Eine Buschärztin übernimmt die neue Krebsstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und heiratet einen Anwalt. Der von Eifersucht geplagte Ex-Mann der Buschärztin fackelt als MHH-Präsident ein Busdepot von RegioBus in Eldagsen ab. Daraus macht eine Werbeagentur eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Dr. Amore", die von der Landesregierung auf ihren Internet-Seiten verbreitet wird. Von diesem Werk begeistert ist auch der Kulturdezernent der Stadt Hannover, der 550 000 Euro für die Step gGmbH locker macht, damit eine bekannte Schriftstellerin nicht vergeblich nach einem eiligen Ort für eine Lesung suchen muss. Die Kosten für Übernachtung und das Honorar zahlt die Üstra. 

Der anschließende Beifall war rauschend, alle waren froh, weil sie in Hannover lebten, wo das von Rosamunde Schostok aufs Allerfeinste Erfundene niemals möglich sein würde. Besonders begeistert war der Geschäftsführer der Step gGmbH als unters Publikum Gemischter und als Gastgeber, denn schon bald - so hoffte er sicherlich nicht vergeblich - bekäme er wieder einen Batzen Geld, wenn er nur Rosamundes Schaffensdrang anstachelte. 

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