Dienstag, 4. Oktober 2016

Schlaflos im Neuen Rathaus

Vor den Toren
des Neuen
Rathauses.
"Bild" Hannover.
Der Raub des SPD-Sandmännchens

13. September 2016. Die Oberbürgermeisterin von Hannover gewordene Bestseller-Autorin Rosamunde Schostok (jüngster Welterfolg "Durchgesickert", ein Krimi über die Staatsanwaltschaft von Hannover) hat seit dem Wahlabend kein Auge mehr zugetan, denn immer weniger Wählerinnen und Wähler sind ihrer SPD zugetan. Deswegen sitzt im neuen Rat mit Julian Klippert sogar ein Comic-Händler und weckt als Ratsherr der Partei "Die Partei" bei Rosamunde Erinnerungen an den legendären Kurt Werth mit seinem "Trivial Book Shop" in der Marienstraße, an dem sie als Kind nur naserümpfend vorbeigelaufen ist, weil ihr schon damals der Sinn immer nur nach literarischen Höhenflügen stand.

Auch auf "Perry Rhodan" stand sie nie, obwohl dieser Schundheft-Held Gerüchten zufolge, die heutzutage wahrscheinlich von den Grünen verbreitet werden würden, irgendwie Pate gestanden haben soll für Stanley Kubricks Abenteuerfilm "2001-Odyssee im Weltraum", worauf vor 50 Jahren die Kiffer standen, die seinerzeit nebenbei auch "Jesus People" waren und sich dort aufhielten, wo in diesen Tagen der Rocker-Boss Frank Hanebuth gefeiert wird, bevor er auf Mallorca wieder mit einem Bein im Gefängnis steht.

Was nun besser ist, darüber mag Hannovers erfolgreichste Schriftstellerin gar nicht nachdenken, wenn sie auch nur einen Augenblick darüber nachdenkt, ob der Abgeordnete der Partei "Die Partei" vor, während und nach Ratssitzungen Lesungen aus Comics wie "Rosamunde pocht ans Steintor, bis die rot-grüne Mehrheit bröckelt" und "Es fährt eine Stadtbahn nach Nirgendwo-Kein Licht im D1-Tunnel" plant, die er dann auch noch selbst geschrieben hat. 

Selber machen ist auch sonst nicht mehr Sache von Rosamunde Schostok, Stephan Weil hat der SPD in Hannover bereits eine Koalition mit Grünen und FDP verordnet. Macht nichts, denkt sich da eine Dichterin, für einen kommunalpolitischen Dreier stünde die Linke "dauerhaft" sowieso nicht zur Verfügung, hat Fraktionschef Oliver Förste schon kurz nach Schließung der Wahllokale erklärt - was sich Rosamunde Schostok allerdings überhaupt nicht erklären kann und deshalb einen Roman mit dem Titel "Der Raub des SPD-Sandmännchens" schreiben will. Das kann sie noch.

Sie werden immer mehr

Neue Presse, 30. September 2016